Recovery

In der Literatur zum Thema Recovery begegnen wir der Übersetzung ins Deutsche, Begriffen wie: Wiedergenesen, Wiedererstarken, Wiederherstellen. Gemeint ist damit keine neue Methode oder ein neues Konzept, wie dieses Wiedergenesen vermittelt oder gar verordnet werden könnte. Mit Recovery wird ein Prozess der Genesung beschrieben welcher im Menschen selbst geschehen und  von aussen unterstützt werden kann. Damit verbunden ist eine Haltung, getragen vom Respekt dem Anderen und dessen Individualität und Besonderheiten, aber auch eine Haltung sich selbst und dem Leben im Allgemeinen gegenüber.

Geprägt wurde die Recoverybewegung in den neunziger Jahren durch Menschen welche sich aus den Ketten der psychiatrischen Diagnosen und Prognosen von Unheilbarkeit von psychischen Erkrankungen zu befreien begannen. Menschen die nicht nur noch als psychisch krank, wahnsinnig und verrückt wahrgenommen werden wollten und die ihre Symptome nicht nur als zerstörend definierten. Menschen die ihre gesunden Anteile, ihre Fähigkeiten, Talente, Wünsche und Träume, ihre Lebensentwürfe wieder entdecken, weiterentwickeln und verwirklichen wollten und konnten.

Die heutige Behandlung von psychischen Erkrankungen ist stark auf die Eliminierung der unterschiedlichen Symptome durch Medikamente ausgerichtet um so die Funktionalität und Wiedereingliederung eines Individuums in das vorherrschende Gesellschaftssystem zu gewährleisten. Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung führen ……

Recovery schliesst die medikamentöse Unterstützung in schweren Krisen und zur Linderung von stark Leben einschränkenden und bedrohenden Symptomen nicht aus. Es gilt Leid zu lindern, jedoch den Preis der unter Umständen dafür gezahlt wird nicht ausser Acht zu lassen. Recovery zielt jedoch in erster Linie auf den Wiederaufbau der Identität, des Selbstmitgefühls, der Wiederherstellung des psychischen wie physischen Wohlbefindens und eines erfüllten Lebens mit oder trotz weiter bestehenden oder wiederkehrenden Symptomen ab.

Fachpersonen die recoveryorientierte Unterstützung anbieten haben keine fertigen Lösungen parat, sie wissen um ihr Nichtwissen, Sie vertrauen auf die Fähigkeit in jedem Menschen « ihren Problemen eine Bedeutung zuzuordnen und Entscheidungen zu treffen, die ihr Leben letztendlich erträglicher machen » (N.Watkins 2009)

«Recovery zielt nicht auf ein Endprodukt oder ein Resultat. Es bedeutet nicht, dass man «geheilt», oder einfach stabil ist. Recovery beinhaltet eine Wandlung des Selbst, bei der einerseits die eigenen Grenzen akzeptiert werden und andererseits eine ganze Welt voller neuer Möglichkeiten entdeckt wird. Dies ist das Paradoxe an Recovery: Beim Akzeptieren dessen, was wir nicht werden tun oder sein können, beginnen wir zu entdecken, wer wir sein können und was wir tun können.

                                                                 Recovery ist eine Art zu lebenPatricia Deegan, 1996

 

Wichtige Begleiter und Begleiterinnen auf dem Recoveryweg sind Peers. Peers sind Menschen mit eigener Krisen- und Genesungserfahrung, die sie in einer spezifischen Weiterbildung reflektiert haben.